Teil 5 – Die Angst blieb: Was, wenn ich versage?

Die Angst blieb: Was, wenn ich versage?

Es kam der Tag, an dem ich meinen ersten Fallschirmsprung seit der Diagnose aus dem Flugzeug machte. Ich war so aufgeregt wie bei einem meiner Anfangssprünge vor vielen Jahren. Ich wusste nicht, ob der Druckwiederstand der Luft und der Öffnungsruck vielleicht doch schmerzen würde und da hatte ich wahnsinnigen Respekt vor. Ich wollte mir ja auch nichts „kaputt“ machen.

Und was soll ich sagen, ich habe diesen Sprung mit links gemeistert! Im wahrsten Sinne des Wortes. Dieser Sprung war wie ein Sprung in meine neu gewonnene Freiheit und hat mich nicht nur mit Glück erfüllt, sondern vor allem mit unglaublichem Stolz auf mich selbst.

B.A.S.E. Jump
Einen Monat nach meinem Fallschirmsprung aus dem Flugzeug wollte ich auch endlich wieder meinen ersten B.A.S.E. Sprung nach der OP vom Berg in Italien angehen. Auch hier war ich natürlich wieder sehr aufgeregt und hatte einige Zweifel. Am besten lässt sich dieses Gefühl als eine Mischung aus Vorfreude und Angst beschreiben.

Die Angst an der Kante
B.A.S.E. springen ist um ein Vielfaches anspruchsvoller als das Fallschirmspringen aus dem Flugzeug. Ich fragte mich selbst, bin ich wirklich in der Lage, entsprechend zu reagieren, wenn die Dinge nicht nach Plan laufen? Durch das Abspringen vom Berg habe ich direkt hinter mir die Wand und sollte ich evtl. abrutschen oder mein Fallschirm öffnet sich in einer 180° Grad Verdrehung, dann fliege ich nicht von der Wand weg, sondern genau auf die Wand zu und muss dann sehr schnell reagieren und den Schirm an dem hinteren Tragegurt rumziehen. Habe ich die Kraft in meiner Schulter dafür? Ich habe es zwar im Fallschirmspringen trainiert, aber trotzdem dachte ich darüber nach. Sollte ich die Landewiese nicht erreichen und es wird nötig, auf einem der schmalen Wege im Waldgebiet zu landen – kann ich dann trotz eventueller Turbulenzen den Schirm gut und sicher landen? Oder sollte ich eine Baumlandung haben, wie wird die Schulter das aushalten?

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Fuck it: Ich konzentriere mich auf das, was ich JETZT machen kann, was ich mir jetzt erarbeiten kann
Gedanklich habe ich auch hier alles losgelassen. Ich habe mich auf meine Atmung konzentriert und bin so gezielt in meinen Flow-Moment gekommen. Durch die Fokussierung auf meinen Atem konnte ich in den Augenblick kommen. Es gab nur noch den Moment, keine Vergangenheit und keine Zukunft, nur das JETZT. Das machte mir den Kopf frei und brachte mich in die Handlung. Und genauso setze ich meinen Sprung um.

Rechts Reingegriffen
Die Stressforschung sagt, dass wir in intensiven Stressmomenten sofort in zuerst gelernte die am meisten genutzten Verhaltensmuster zurückfallen. Genau so war es dann auch bei meinem ersten B.A.S.E. Sprung nach der OP vom Berg. Als der Moment der Schirmöffnung da war, griff ich zuerst auf rechts…. Aber da war nichts, wir hatten ja auch die B.A.S.E.-Ausrüstung auf links umgebaut. Ich konnte jedoch durch die vielen Trockenübungen sofort reagieren und mit der linken Hand öffnen. Ich hatte zur Sicherheit sowieso geplant, den Schirm sehr viel höher zu öffnen als ich es normalerweise tue und verschaffte mir somit genügend Zeit. Ich war unglaublich glücklich und extrem emotional bewegt. Vor allem aber war ich stolz auf mich selbst, so hart an mir gearbeitet und entgegen aller Ansagen an meinen eigenen Umgang mit der Herausforderung geglaubt zu haben und es durchgezogen habe.

HAPPY END

Körper
Mittlerweile ist meine rechte Schulter ausgeheilt, so dass ich körperlich wieder voll dabei bin. Ich kann die Dinge tun, die ich möchte. Autofahren ist überhaupt kein Problem mehr, auch im Haushalt kann ich alles machen. Bereits ein Jahr nach der Operation bin ich mit Wingsuit-B.A.S.E. gestartet. Inzwischen fliege ich Wingsuit und kann ganz easy meinen Flügel halten und auch das Bremsen des Fallschirmes läuft super. Die Kraft der Schulter hat kontinuierlich zugenommen.

Ich bin so unsagbar dankbar das ich diesen unglaublich guten Heilungsverlauf hatte. Du hast mehr Power in dir als du denkst. Im Augenblick deiner größten Angst entdeckst du deine wahre Kraft. Glaub an dich, setze dich mit dir, deinen Enttäuschungen, Unsicherheiten und Ängsten auseinander, du wirst als stärkerer Mensch daraus hervorgehen.

Akzeptiere, was ist, und arbeite mit deiner Situation. Höre auf dein Herz und aktiviere deine innere Kraft. Es ist wichtig, dass du im Inneren ruhst und an dich glaubst und kontinuierlich deinen Plan umsetzt.

Erfahrungen & Bewertungen zu Katja Seyffardt