Teil 2 – Wie überwindet man den Tiefpunkt einer Krise???

Wie überwindet man den Tiefpunkt einer Krise???

Einsicht

Meine rechte Schulter verfällt und ich begann, meinen Ängsten bewusst ins Auge zu sehen und mit diesem Bewusstsein begann ich, dem Angstgefühl aufrecht zu begegnen. Ich habe die Angst auf einer tieferen Ebene verstanden. Meine Erkenntnis daraus ist heute – laufe nicht davon, verdränge die Angst nicht. Und vor allem: Ich lasse nicht zu, dass mich äußere Einflüsse und unbekannte Eventualitäten in Lebensverhältnisse drängen, die nicht meine sind! Indem ich mich meinen Ängsten stelle, sie annehme und durch Mentaltechniken diesen Drachen Angst zähme und ihn in Energie umwandle – DAS ist der Schub, der mich weitermachen lässt.

Entscheidet man sich an der Kante des Berges für den Sprung in die Tiefe, dann muss man das aktiv entscheiden und mit voller Überzeugung tun. In diesem Moment gibt es keinen Platz, der Angst freien Lauf zu lassen, sondern man muss darauf vertrauen, alles anwenden zu können, was man gelernt hat. Und genau so habe ich mein Leben wieder in die Hand genommen, ich habe mich aktiv dazu entschieden!

Du bist leider nicht immer unbedingt in der Lage gewisse Umstände zu ändern, aber du kannst kontrollieren wie du denkst und reagierst und DAS ist sehr entscheidend!
Katja Seyffardt

Ziel gesetzt: Ich werde wieder gesund und kann Sport machen

Es ist wichtig, ein Ziel vor Augen zu haben. Das hatte ich! Ich wollte meine rechte Schulter wieder voll bewegen und wieder springen können. Also entschied ich mich für die OP. Ich sagte mir: Ich werde mich der Situation stellen und sie akzeptieren, ich werde mich voll und ganz auf mich und meinen Heilungsprozess konzentrieren, alles andere ausblenden und alles geben. Ich werde tun was nötig ist! Als erstes tauschte ich in meinem Sprachgebrauch das Wort „Prothese“ gegen das Wort „Gelenkersatz“ aus. Damit änderte sich bereits vor der Operation allmählich das negative Gefühl, welches ich sofort bei der Erwähnung der Gelenksprothese bekam.

Der Moment, in dem ich mich bewusst für die Operation entschied, war (im Nachhinein betrachtet) ein Wendepunkt. Ich kannte dieses Gefühl! All diese Jahre im Sport, die Selbstzweifel, die Überwindungen, das Überschreiten eigener Grenzen und das Bewältigen von Herausforderungen – gerade im Sport, wie Tauchen, Fallschirmspringen und vor allem im Extremsport wie B.A.S.E-Springen musste ich lernen, meine Ängste zu nutzen: Nämlich als Antrieb, um über mich selbst hinauszuwachsen. Meine Situation mit der rechten Schulter, der Operation und der damit verbundenen Unbekannten war im Grunde nichts anderes, als am Abgrund zu stehen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Erkenntnis war ein Schlüsselerlebnis für mich!

Rückzug

Dann begann ich, mich von der Außenwelt und deren Einflüssen zurückzuziehen und in mich hinein zu fühlen. Ich fragte mich, was ich empfunden habe, als ich mit dem Extremsport, dem B.A.S.E. springen, begann. Ich versetzte mich zurück zu meinen Anfängen: Als erstes musste ich lernen, in einer unglaublich anspruchsvollen Situation volle Kontrolle über meine Gedanken und Emotionen zu haben. Denn es gibt keinen doppelten Boden, keine zweite Chance – ein Fehler ist unverzeihlich. Ich muss mich innerlich mit mir selbst auseinandersetzen und kann nur unglaublich ehrlich zu mir selbst sein, denn ich muss realistisch einschätzen, ob mein Können und meine Fähigkeit, Erlerntes abzurufen und entsprechend in der jeweiligen Situation einzusetzen, ausreichen. Das war ein Prozess, in dem ich mich auf den derzeitigen Augenblick (das JETZT) konzentrierte, anstatt den ganzen negativen Zukunftsfantasien freien Lauf zu lassen. Und so begann ich – in Anlehnung an meinen Lernprozess im B.A.S.E.-Sport – an meinen Heilungsprozess zu glauben.

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Therapie

Als ich nach der OP zu mir kam, erklärte mir der Arzt, es habe sich während des Eingriffs herausgestellt, dass nicht das komplette Gelenk, also Gelenkkopf und -pfanne, ersetzt werden musste, sondern nur der Gelenkkopf des Oberarmknochens. So wurde aus einem vollständigen Ersatzgelenk ein teilweiser Gelenkersatz.

Während der 7-wöchigen Stilllegung musste nun die Schulter nach einem vorgegebenen Heilungsplan passiv (also nicht aktiv von mir ausgeführt) in minimalen 30° Grad-Winkeln bewegt werden. Während dieser „Stilllegung“ bekam ich Hilfe von einem Physiotherapeuten und meinem Partner. Ich war also auf externe Hilfe angewiesen und das war anfangs unglaublich schwer für jemanden wie mich, der es gewohnt ist, stets selbst die Aktive zu sein. Als meine Mutter mich besuchte und mir bei diesen „Übungen“ zuschaute, ist sie tatsächlich ohnmächtig vom Stuhl gefallen. Der Anblick dieser unnatürlichen wirkenden Bewegungen hat sie wortwörtlich umgehauen. Die Übungsbewegungen sahen nicht nur schlimm aus, sie verursachten leider auch unsägliche Schmerzen. Was mich dazu noch besonders quälte, waren die Zukunftsängste, die mit unglaublicher Hilflosigkeit und starken Zweifeln gepaart waren…

Wie mit Zukunftsängsten umgehen?
nächsten Montag erzähle ich dir wie es weiterging… stay tuned!

Erfahrungen & Bewertungen zu Katja Seyffardt